Andrea Elmer 

Das Staunen in der poetologischen Reflexion der italienischen Literatur zur Zeit der Renaissance (Arbeitstitel)

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In dem Projekt werden Funktion und Bedeutung des Staunens – vornehmlich anhand der Begriffe «admiratio» und «meraviglia» – in poetologischen Schriften der Renaissance u.a. von Angelo Poliziano, Giovanni Pontano, Girolamo Vida und Francesco Patrizi untersucht. Fluchtpunkt aller Untersuchungen sind die Meraviglia-Poetiken – regelrechte Poetiken des Staunens also —, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstehen und vor allem für den Barock, aber auch für nachfolgende Epochen, von eminenter Bedeutung sein werden. Im Zentrum steht die Frage, ab wann die genannten Begriffe der «admiratio» sowie der «meraviglia» als genuin poetologische und ästhetische Begriffe verstanden werden können. Dazu gehört u.a. eine Analyse der Relation zum Wunder und zum Mythos, weiter zu Begriffen rund um die poetische Inspiration (u.a. den furor poeticus) und Vision sowie zu nahen oder verwandten Konzepten aus antiken Rhetoriken und Poetiken.

 «Ich […] stimme den Worten […] zu, dass ich immer geglaubt habe, bei jedem zur Besprechung aufgegriffenen Stoff und auch bei jeder Redegattung sei dem Dichter eine Grösse und Erhabenheit zu eigen, die sich nie mit der Mittelmässigkeit zufriedengebe, was die Gedichte Vergils vom Landbau ganz klar zeigen können. Und damit die Dichtung jene edlen Geister auf jede beliebige Art zu erfüllen vermöchten, hatten sie sogar himmlische Dinge in die Dinge der Sterblichen eingefügt und ihren Gesang mit Erfindungen und Fabeln angefüllt, damit dadurch jene Erhabenheit auf das Höchste, d.h. bis zur Bewunderung [ad admirationem incresceret] anwachse […].»

Giovanni Pontano, Actius, in: ders.: Dialoge, übersetzt von Hermann Kiefer, München 1984, S. 507.